Paartherapie: Differenzierungsbasierter Ansatz 

Was Sie wissen sollten: Paartherapie ist kein geschützter Begriff und wird in Deutschland nicht von den Krankenkassen finanziert. Dies gilt, obwohl die gesundheitlichen Auswirkungen partnerschaftlicher Konflikte – etwa auf psychische Gesundheit, Stressbelastung, somatische Erkrankungen und Arbeitsfähigkeit – wissenschaftlich gut belegt sind.

Warum es bislang keine Veränderung gibt:

  • Die gesetzliche Krankenversicherung ist auf die Behandlung individueller psychischer Erkrankungen ausgerichtet, nicht auf Beziehungsprobleme als solche.

  • Partnerschaftliche Konflikte gelten formal nicht als eigenständiger Krankheitswert.

  • Paartherapie bewegt sich institutionell zwischen Gesundheitswesen, Beratung und Prävention – ohne klare Zuständigkeit.

  • Es fehlt bislang an einer sozialrechtlichen Neubewertung von Beziehungsgesundheit als eigenständigem Versorgungsbereich.

    Der Begriff Paartherapeut ist in Deutschland rechtlich nicht geschützt, genauso wenig wie Paartherapie oder Therapie allein. Das bedeutet, jeder darf sich so nennen, es gibt auch keinen staatlich geregelten Ausbildungsweg. Wichtig ist, dass nur approbierte Psychotherapeuten sich Psychotherapeut nennen dürfen, während Paartherapeut ein unspezifischer Titel ist, der ohne spezifische Qualifikation geführt werden kann, was zu einer großen Qualitätsvielfalt führt

Wodurch unterscheiden sich die Angebote qualitativ?

  • Ausbildungshintergrund: Welche Studienabschlüsse liegen vor? Wurde diese in den Sozialwissenschaften oder medizinischen Bereich absolviert? Gibt es entsprechende Zusatzausbildungen? Gibt es eine fundierte psychologisch psychotherapeutische Ausbildung, liegt eine Approbation in psychologisch-psychotherapeutische Psychotherapie vor (Richtlininenverfahren)? Nur diese basiert auf Grundlage einer staatlich geregelten Ausbildung – nicht allein auf Basis kurzer Fortbildungen oder Selbsterfahrung - nochmal: Psychotherapeut darf sich nennen, wer eine Approbation hat, der Titel ist geschützt.

    Erst dadurch liegen u.a. wichtige diagnostische Kompetenzen vor für die Arbeit mit:

  • Beziehungskrisen

  • individuellen psychischen Erkrankungen

  • Bindungs-, Trauma- oder Persönlichkeitsdynamiken
    und Ihr Vorgehen

  • der Arbeit mit Eskalation, Ambivalenz und Schutzbedürftigkeit

  • hoch emotionalisierten Konflikten

  • Annäherungs-/Vermeidungskreisläufen

  • chronischer Unsicherheit, Eifersucht oder Rückzug

  • Situationen, in denen „mehr Nähe“ kurzfristig nicht hilfreich ist.

Es geht also mehr um Struktur statt Ratschläge.
Seriöse Angebote bieten keine schnellen Lösungen oder Kommunikationsrezepte an, sondern:

  • eine klare therapeutische Struktur

  • Arbeit an Mustern statt an Schuldfragen

  • Entwicklung von Selbstklärung statt Anpassung an den Partner.

Verantwortung und Ethik
Als approbierter psychologischer Psychotherapeut unterliege ich:

  • berufsethischen Richtlinien

  • Schweigepflicht

  • kontinuierlicher Fortbildung und Supervision

Ich arbeite auf der Grundlage einer fundierten psychotherapeutischen Ausbildung und mit einem differenzierungsbasierten Ansatz (das Institut für differenzierungsbasiertes Arbeiten, Berlin), der von der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) in das Ausbildungscurriculum aufgenommen und von der Bundesärztekammer anerkannt ist. Der Fokus liegt nicht auf schnellen Lösungen, sondern auf nachhaltiger Veränderung von Beziehungsmustern, emotionaler Selbstregulation und persönlicher Verantwortung – besonders auch in hoch belasteten oder festgefahrenen Paardynamiken.

Beziehungsprobleme gehören zu den häufigsten Belastungen im Leben – und sie betreffen fast jedes Paar irgendwann: Missverständnisse, wiederkehrende Konflikte, Gefühlsdistanz, unterschiedliche Erwartungen, Krisen nach einschneidenden Lebensereignissen, verhaltene oder offene Wut, Rückzug, Enttäuschung oder das Gefühl, „nicht mehr zueinander zu finden“. Viele Paare fühlen sich in solchen Situationen allein, unverstanden oder hilflos.

Paare entwickeln im Alltag komplexe Muster, die zwar kurzfristig schützen oder entlasten, auf Dauer aber Verbindung, Vertrauen und gemeinsame Entwicklung erschweren können. Genau hier setzt die Paartherapie an.

Was versteht man unter „differenzierungsbasierter Paartherapie“?

Differenzierung bedeutet in diesem Kontext, die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse, Gefühle, Gedanken und Muster zu erkennen, zu benennen und gleichzeitig mit den Bedürfnissen des Partners oder der Partnerin in Beziehung zu bleiben. Je höher das Maß an Differenzierung, desto besser gelingt es, emotional herausfordernde Situationen gemeinsam zu gestalten, statt sie auszuweichen oder in alte, unproduktive Muster zu verfallen.

Der differenzierungsbasierte Ansatz kombiniert Elemente aus systemischer Therapie mit psychodynamischen, emotionsfokussierten und interaktionellen Konzepten – und ist darauf ausgerichtet:

  • Kommunikations- und Konfliktmustern auf die Spur zu kommen

  • Reaktive Dynamiken zu verstehen statt sie zu wiederholen

  • Emotionale Sicherheit und gegenseitiges Verständnis zu stärken

  • Die „Landkarte der Beziehung“ gemeinsam sichtbar zu machen

Dieser Ansatz ist wissenschaftlich gut fundiert: Er bezieht sich auf Befunde aus der Paarforschung, Bindungstheorie, Emotionspsychologie und Langzeitstudien zu Beziehungsmustern. Das Ziel ist nicht nur die Lösung akuter Konflikte, sondern eine nachhaltige, tragfähige Beziehungsentwicklung.

Woran merken Sie, dass Paartherapie sinnvoll sein kann?

Ein Paar sucht oft dann Unterstützung, wenn …

  • Konflikte immer wieder die gleichen Kreise drehen

  • Sie sich unverstanden, allein, blockiert oder distanziert fühlen

  • Nähe und Intimität verloren gegangen sind

  • Sie Schwierigkeiten haben, Gefühle auszudrücken oder beim anderen zu registrieren

  • kleine Streitereien schnell eskalieren

  • Bedürfnisse unausgesprochen bleiben

  • Sie das Gefühl haben, „auseinanderzudriften“

Wie läuft die Therapie ab?

  1. Erstgespräch
    In einem ersten Gespräch lernen wir Sie als Paar kennen, hören Ihre Sichtweisen, Anliegen und Beziehungsgeschichte an – ohne zu werten. Ziel ist ein gemeinsames Verständnis Ihrer Themen.

  2. Gemeinsame Strukturierung der Anliegen
    Wir identifizieren wiederkehrende Muster, stärken Ressourcen und legen gemeinsam fest, woran wir arbeiten wollen.

  3. Differenzierungs- und Interaktionsarbeit
    Im therapeutischen Prozess unterstütze ich Sie dabei,

    • Muster zu erkennen und zu unterbrechen,

    • in herausfordernden Situationen präsent und handlungsfähig zu bleiben,

    • die Perspektive des anderen wahrzunehmen ohne die eigene aufzugeben.

Warum dieser Ansatz?

  • Er ist entwicklung- und werteorientiert, nicht nur symptombezogen

  • es geht nicht primär darum Probleme zu lösen; wenn es darum ginge, würden es Paare von alleine schaffen

  • Er arbeitet mit Ihrer konkreten Beziehungserfahrung

  • erkennt die Komplexität von Beziehungen an

  • Er hat einen starken Fokus auf Selbstkonfrontation und Entwicklung

Für wen ist die Paartherapie geeignet?

Die Therapie richtet sich an alle Paare – unabhängig von Alter, Beziehungsform oder Dauer der Partnerschaft. Sowohl bei aktuellen Krisen als auch bei länger bestehenden Mustern kann dieser Ansatz helfen, Stabilität, Intimität und gegenseitiges Vertrauen neu zu gestalten.